Von der Kunstgeschichte zur KI-Transformation – warum geisteswissenschaftliches Denken Zukunft hat
von
Belinda Boge
| 23.02.2026
Ich habe Kunstgeschichte studiert – und gestalte jetzt die KI-Transformation mit
Als Online-Redakteurin bei Eurowings Digital leite ich seit mehr als zwei Jahren den Reiseblog „Horizons by Eurowings“, plane Themen und steuere Content-Projekte. Parallel dazu gestalte ich die KI-Transformation im Unternehmen mit, indem ich KI-Assistent:innen baue und Teams im Umgang mit generativer KI befähige und bestärke. Dass ich das als studierte Kunsthistorikerin mal beruflich machen würde, war so eigentlich nicht geplant.
„It doesn’t matter what you study“
Als ich nach meinem Au-pair-Jahr in den USA (2009/2010) zurück nach Deutschland kam, wusste ich nur eines: Ich wollte etwas studieren, das mich wirklich interessiert. Meine Gastmutter hatte mir – sehr amerikanisch – nahegelegt: „It doesn’t matter what you study. The most important thing are the skills that you gain.“
Nach vielen Museums- und Galeriebesuchen in Washington, D.C., New York und San Francisco war die Entscheidung, Kunstgeschichte zu studieren, für mich nur logisch. Denn es war das Fach, in dem für mich alles zusammenkam, was mich faszinierte: Kunst, Kultur und Kreativität. Studiert habe ich in Heidelberg. Eine Stadt, die ich schon mit 12 Jahren ins Herz geschlossen hatte.
Vermittlungsarbeit im Museum als Training für digitale Kommunikation
Parallel zum Studium begann ich, als freie Museumsvermittlerin in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim zu arbeiten. Fast vier Jahre lang führte ich Menschen aller Altersgruppen durch Ausstellungen und entwickelte spezielle Workshops für Kinder. Diese Jahre waren für mich eine entscheidende Schule, denn ich lernte:
Menschen und ihre Bedürfnisse schnell zu lesen,
komplexe Inhalte klar zu strukturieren und so zu vermitteln, dass sie emotional abholen,
spontan auf unterschiedlichste Fragen zu reagieren.
Diese Fähigkeiten bilden bis heute das Fundament meiner Karriere und sind in meiner täglichen Arbeit präsent.
Sommer 2012: Ein spontaner Blog – und der Beginn eines Richtungswechsels
Die größte Wendung in meinem Lebenslauf kam, ohne dass ich wusste, dass ich damit gerade meine berufliche Zukunft veränderte und alles, was ich für mich geplant hatte: eine Karriere im Museum oder an der Universität inklusive Promotion.
Im Sommer 2012 gründete ich im Urlaub einen Modeblog. Einfach so, weil ich es bei anderen gesehen hatte und faszinierend fand. Ich schrieb, fotografierte, veröffentlichte – und lernte dabei alles, was bis heute meine tägliche Arbeit ist: SEO, Bildsprache, Textdesign, digitales Publizieren, Community-Aufbau.
Rückblickend war dieser Blog mein inoffizielles und unbezahltes Volontariat im Bereich digitale Kommunikation. Denn zum Ende meines Studiums 2014 waren genau diese Skills plötzlich gefragt; lange bevor es dafür offizielle Studiengänge gab. Nach meinem Bachelor legte ich deshalb ein Gap Year mit Praktika in den Bereichen Social Media, Content Marketing und Vertrieb ein.
Im Herbst 2015 bin ich zwar nochmal zurück an die Uni, um meinen Master zu starten. Aber es fühlte sich nicht mehr richtig an. Mir fehlte die Dynamik, die ich im Gap Year gespürt hatte. Also habe ich noch in Woche eins des Masters angefangen, Bewerbungen zu schreiben – und drei Monate später war ich plötzlich in meinem ersten Vollzeitjob.
Tatsächlich habe ich lange damit gehadert, den Master abgebrochen zu haben. Traurig darüber, kein klassisches Ticket für eine akademische Laufbahn zu besitzen. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich auch sehr zufrieden, dass ich bis heute den Job ausübe, den ich vor fast 15 Jahren als Hobby begonnen habe.
Von Content zu KI: Warum geisteswissenschaftliches Denken nicht veraltet, sondern relevanter denn je ist
Meine erste Reaktion, als generative KI vor drei Jahren in der Textarbeit auftauchte: „Are you kidding me?”
Es fühlte sich an wie ein Angriff auf mein Handwerk. Doch genau hier kam mein Studium ins Spiel: kritisches Hinterfragen, Muster erkennen, Kontexte deuten. Denn generative KI ist nie nur Technik; sie basiert auf Sprache, Bedeutung und Wirkung.
Nach einer Weiterbildung im Bereich generativer KI gestalte ich mittlerweile die KI-Transformation bei Eurowings Digital mit, und je tiefer ich da eintauche, desto stärker spüre ich: Geisteswissenschaftliches Denken wird im KI-Zeitalter immer relevanter, um Qualität zu sichern, Bedeutung zu schaffen und ethisch zu handeln.
Was andere aus meinem Weg mitnehmen können
Wenn ich auf meinen Werdegang blicke, sehe ich auf den ersten Blick zwar keine gerade Linie, aber Neugier, Mut, Hürden, Intuition und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren.
Deshalb ist mein wichtigstes Learning für Geisteswissenschaftler:innen: Folgt euren Interessen, seid neugierig und unterschätzt nie die Fähigkeiten, die ihr im Studium entwickelt. Sie sind so breit einsetzbar und gerade jetzt in der KI-Transformation von unschätzbarem Wert.
Komplexe Zusammenhänge erkennen, kritisch denken, Bedeutung entschlüsseln, sprachlich präzise sein und stark im Storytelling – all das ist sehr gefragt und öffnet Türen.